Haarausfall durch Corona – Wissenswertes über Haarausfall als Begleiterscheinung einer Infektion mit dem Coronavirus

Redaktion friseur.org · Zuletzt aktualisiert am 19. Juni 2026
Erst war es die Erkältung, das Fieber oder die Corona-Infektion – und Wochen später liegen plötzlich auffällig viele Haare in der Bürste, auf dem Kissen und im Abfluss. Dieser zeitlich versetzte Haarausfall nach einem Infekt verunsichert viele Menschen, weil sie ihn gar nicht mehr mit der überstandenen Erkrankung in Verbindung bringen. Die gute Nachricht vorweg: In den allermeisten Fällen handelt es sich um eine vorübergehende Reaktion des Körpers, die sich von selbst wieder zurückbildet.
Auf dieser Seite ordnen wir ein, warum es nach Corona, einem fieberhaften Infekt oder einer Phase großer Belastung zu Haarausfall kommt, wann er typischerweise auftritt, wie lange er dauert, was Sie selbst tun können und ab wann ein Arztbesuch sinnvoll ist.

Inhaltsverzeichnis
ToggleHaarausfall nach Corona ist meist ein telogenes Effluvium
Hinter dem Haarausfall nach einer Infektion steckt fast immer ein sogenanntes telogenes Effluvium – ein diffuser Haarausfall, bei dem die Haare gleichmäßig über den ganzen Kopf dünner werden, ohne dass kahle Stellen entstehen. Um das zu verstehen, hilft ein Blick auf den Haarzyklus: Jedes Haar durchläuft eine jahrelange Wachstumsphase, eine kurze Übergangsphase und schließlich eine Ruhephase, an deren Ende es ausfällt. Normalerweise sind rund 80 bis 90 Prozent der Haare im Wachstum, ein kleiner Rest in der Ruhephase. Ein täglicher Verlust von 50 bis 100 Haaren ist völlig normal.
Eine schwere Belastung wie hohes Fieber, eine Corona-Infektion oder starker Stress kann diesen Rhythmus durcheinanderbringen. Viele Haarwurzeln wechseln dann gleichzeitig vorzeitig in die Ruhephase – und stoßen ihre Haare einige Wochen später alle ungefähr zur selben Zeit ab. Genau das erleben Betroffene als plötzlichen, büschelweisen Haarausfall. Entscheidend ist: Die Haarwurzel bleibt dabei erhalten. Es entstehen keine Narben, und die Haare können nachwachsen.
Diskutiert wird zudem, ob das Coronavirus über Entzündungsbotenstoffe und eine vorübergehend gestörte Durchblutung der Kopfhaut die Versorgung der Haarwurzeln zusätzlich beeinträchtigt. Auch wenn die genauen Mechanismen noch erforscht werden, bleibt das Grundmuster dasselbe: eine vorübergehende Störung des Haarzyklus, keine dauerhafte Schädigung.
Der Haarausfall setzt sechs bis zwölf Wochen nach dem Infekt ein
Charakteristisch für diese Form des Haarausfalls ist die zeitliche Verzögerung. Die Haare fallen nicht während der akuten Erkrankung aus, sondern erst etwa sechs bis zwölf Wochen danach – im Schnitt rund zwei Monate später. Genau dieser Abstand führt dazu, dass viele den Zusammenhang nicht erkennen, weil die Infektion zu diesem Zeitpunkt längst überstanden scheint.
Der versetzte Verlauf ist gleichzeitig ein wichtiges Erkennungszeichen: Tritt diffuser Haarausfall ein bis drei Monate nach einer fieberhaften Erkrankung, einer Corona-Infektion, einer Operation oder einer sehr belastenden Lebensphase auf, spricht vieles für ein telogenes Effluvium. Bei Long Covid kann der Haarausfall in eine ganze Reihe von Beschwerden eingebettet sein – etwa Erschöpfung, verminderte Leistungsfähigkeit und psychische Belastung.
| Haarausfall-Form | Muster | Zeitpunkt | Verlauf |
|---|---|---|---|
| Telogenes Effluvium (nach Corona/Infekt) | diffus, gleichmäßig dünner, keine kahlen Stellen | 6–12 Wochen nach Auslöser | ✓ meist reversibel |
| Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) | scharf begrenzte, runde kahle Stellen | plötzlich, unvorhersehbar | ⚠︎ ärztlich abklären |
| Erblich bedingter Haarausfall | typisches Muster (Geheimratsecken, Scheitel) | langsam über Jahre | ⚠︎ chronisch, behandelbar |
Die Tabelle zeigt, warum die Einordnung wichtig ist: Nicht jeder Haarausfall nach Corona ist automatisch ein telogenes Effluvium. Treten umschriebene, runde kahle Stellen auf, kann ein kreisrunder Haarausfall dahinterstecken, der anders behandelt wird.
In über 90 Prozent der Fälle wachsen die Haare wieder nach
Das telogene Effluvium nach einem Infekt ist in aller Regel vorübergehend. Sobald die auslösende Belastung vorbei ist, normalisiert sich der Haarzyklus von selbst. Studien zeigen, dass in über 90 Prozent der Fälle die Haare innerhalb einiger Monate wieder nachwachsen. Die akute Phase des verstärkten Ausfalls klingt meist nach drei bis sechs Monaten deutlich ab.
Bis die Haare allerdings wieder sichtbar voller wirken, braucht es Geduld: Nachwachsende Haare sind zunächst kurz und fein und müssen erst einige Zentimeter wachsen, um zur Fülle beizutragen. Eine sichtbare Normalisierung der Haardichte dauert daher häufig sechs bis zwölf Monate, in manchen Fällen bis zu eineinhalb Jahre. Wenn keine andere Haarerkrankung vorliegt, wird die ursprüngliche Dichte am Ende meist nahezu wieder erreicht.
Geduld, Nährstoffe und sanfte Pflege unterstützen das Nachwachsen
Ein telogenes Effluvium lässt sich nicht mit einem Wundermittel beschleunigen – aber Sie können dem Körper gute Bedingungen schaffen, damit sich der Haarzyklus erholt. Im Zentrum stehen eine ausgewogene Nährstoffversorgung, schonende Pflege und Geduld.
Bei länger anhaltendem Haarausfall lohnt sich ein Blick auf den Nährstoffstatus, denn Mängel verstärken diffusen Haarausfall. Besonders relevant ist der Eisenspeicherwert Ferritin: Werte unter etwa 30 ng/ml gelten als kritisch, Werte um 70 ng/ml als günstig für den Haarwuchs. Auch Vitamin D, Zink, Vitamin B12 und Eiweiß spielen eine Rolle. Wichtig: Nährstoffe sollten gezielt nach einem Befund ergänzt werden, nicht wahllos. Eisen oder Zink in zu hoher Dosis ohne nachgewiesenen Mangel können schaden.

5 Tipps bei Haarausfall nach Corona
- Geben Sie dem Körper Zeit: Das Nachwachsen läuft im Hintergrund bereits, auch wenn es Monate dauert, bis es sichtbar wird.
- Ernähren Sie sich ausgewogen mit ausreichend Eiweiß, Eisen und frischem Gemüse, statt auf strenge Diäten zu setzen.
- Pflegen Sie Haare und Kopfhaut schonend: milde Shampoos, weniger Hitze durch Föhn und Glätteisen, kein häufiges Bleichen.
- Vermeiden Sie straff gebundene Frisuren wie enge Zöpfe oder Duttfrisuren, die zusätzlich an den Wurzeln ziehen.
- Reduzieren Sie Stress, soweit es geht, und achten Sie auf genügend Schlaf und Bewegung an der frischen Luft.
Bei anhaltendem Haarausfall ärztlich abklären lassen
Ein telogenes Effluvium nach Corona heilt meist ohne Behandlung aus. Es gibt jedoch Situationen, in denen ein Besuch beim Hausarzt oder in einer dermatologischen Praxis sinnvoll ist – auch um andere, behandelbare Ursachen wie eine Schilddrüsenstörung oder einen Eisenmangel auszuschließen. Eine gezielte Blutuntersuchung (etwa Ferritin und der Schilddrüsenwert TSH) kann hier Klarheit schaffen.
Wer eine schwerere Corona-Infektion oder anhaltende Beschwerden hatte, kann den Haarausfall zudem in einer Post-Covid-Sprechstunde ansprechen. Dort werden die verschiedenen Langzeitfolgen gemeinsam betrachtet und eingeordnet.
Lassen Sie ärztlich abklären, wenn:
- der Haarausfall länger als sechs Monate anhält oder sich nicht bessert,
- runde, scharf begrenzte kahle Stellen auftreten,
- die Kopfhaut gerötet, schuppig, entzündet oder schmerzhaft ist,
- zusätzlich Symptome wie starke Müdigkeit, Gewichtsverlust oder Fieber bestehen,
- dauerhaft deutlich mehr als 100 Haare pro Tag ausfallen.
Verwandte Ratgeber rund um diffusen und hormonell bedingten Haarausfall finden Sie in unserem Überblick zu Haarausfall sowie speziell zum Haarausfall nach der Schwangerschaft, der nach einem ähnlichen Muster verläuft.
Häufige Fragen zu Haarausfall nach Corona
Wie lange dauert der Haarausfall nach Corona?
Die Phase des verstärkten Haarausfalls klingt meist nach drei bis sechs Monaten ab. Bis die Haare wieder sichtbar voller wirken, kann es sechs bis zwölf Monate dauern, in Einzelfällen bis zu eineinhalb Jahre, weil nachwachsende Haare erst eine gewisse Länge erreichen müssen.
Was tun bei Haarausfall nach Corona?
Wichtig sind Geduld, eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eisen und Eiweiß, sanfte Haarpflege und Stressabbau. Bei länger anhaltendem Ausfall sollten Nährstoffwerte wie Ferritin und der Schilddrüsenwert ärztlich geprüft werden.
Wann setzt der Haarausfall nach einer Corona-Infektion ein?
Typischerweise etwa sechs bis zwölf Wochen nach der Erkrankung, im Schnitt rund zwei Monate später. Wegen dieser Verzögerung bringen viele Betroffene den Haarausfall zunächst nicht mit der überstandenen Infektion in Verbindung.
Kann auch die Corona-Impfung Haarausfall auslösen?
In seltenen Einzelfällen wurde ein telogenes Effluvium nach der Impfung beschrieben, ausgelöst durch die Immunreaktion – das ist aber kein Spezifikum der Corona-Impfung. Insgesamt gilt dies als seltenes Ereignis, und das Risiko für längeren Haarausfall ist nach einer durchgemachten Infektion deutlich höher.
Wachsen die Haare nach Corona wieder vollständig nach?
In über 90 Prozent der Fälle ja. Da die Haarwurzeln erhalten bleiben und keine Narben entstehen, erholt sich der Haarzyklus meist von selbst, sofern keine andere Haarerkrankung vorliegt.
Plötzlich starker Haarausfall nach Corona – ist das gefährlich?
In der Regel nicht. Diffuser, gleichmäßiger Haarausfall ohne kahle Stellen ist meist ein harmloses, vorübergehendes telogenes Effluvium. Bei runden kahlen Arealen, entzündeter Kopfhaut oder anhaltendem Ausfall über sechs Monate sollte er jedoch ärztlich abgeklärt werden.
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