Haare spenden – Wissenswertes rund um das Spenden von Haaren

Redaktion friseur.org · Zuletzt aktualisiert am 19. Juni 2026
Wer langes, gesundes Haar hat und ohnehin mit einem Kurzhaarschnitt liebäugelt, kann beim nächsten Friseurbesuch viel mehr tun als nur den Typ wechseln: Aus abgeschnittenen Zöpfen entstehen Echthaarperücken für Menschen, die ihr Haar durch Krebs, Alopecia areata oder andere Erkrankungen verloren haben. Für viele Betroffene – besonders Kinder – ist so eine Perücke ein Stück zurückgewonnene Normalität. Dieser Ratgeber erklärt, welche Voraussetzungen dein Haar erfüllen muss, wie die Spende Schritt für Schritt abläuft, an welche seriösen Organisationen du dich wenden kannst und was am Ende aus deinen Haaren wird.

Inhaltsverzeichnis
ToggleWarum Haarspenden gebraucht werden
Eine gute Echthaarperücke kostet schnell mehrere hundert bis über tausend Euro – Geld, das nicht jede Familie aufbringen kann, und das die Krankenkassen oft nur teilweise oder gar nicht übernehmen. Gerade für Kinder mit Krebs oder Menschen mit kreisrundem Haarausfall ist eine Perücke aber kein Luxus, sondern hilft dabei, sich wieder unter Leute zu trauen, zur Schule oder zur Arbeit zu gehen und sich im eigenen Spiegelbild wiederzuerkennen. Kunsthaarperücken sind eine Alternative, doch Echthaar fühlt sich natürlicher an, lässt sich frisieren wie eigenes Haar und ist deutlich angenehmer zu tragen. Genau dafür wird gespendetes Haar gebraucht – und davon nie genug.
Diese Voraussetzungen muss dein Haar erfüllen
Eine Haarspende ist grundsätzlich immer eine gute Sache, doch nicht jedes Haar ist uneingeschränkt geeignet. Die genauen Anforderungen unterscheiden sich je nach Organisation deutlich – vor allem bei der Mindestlänge und der Frage, ob gefärbtes oder graues Haar angenommen wird. Plane deine Spende deshalb immer entlang der Regeln der Organisation, für die du dich entscheidest.
| Kriterium | Anforderung | Hinweis |
|---|---|---|
| Mindestlänge | je nach Organisation 25–40 cm | 25 cm ist das Minimum bei vielen deutschen Stellen; Vereine für Kinder-Langhaarperücken verlangen oft 40 cm |
| Sauberkeit | ✓ frisch gewaschen, ohne Pflegerückstände | Kein Conditioner- oder Stylingfilm – das erschwert die Verarbeitung |
| Trockenheit | ✓ komplett trocken verpackt | Feuchtes Haar schimmelt und verfilzt auf dem Versandweg |
| Zustand | idealerweise unbehandelt und gesund | Keine offensichtlich gespliessten, brüchigen Längen |
| Gefärbtes Haar | ⚠︎ oft erlaubt, aber strapaziert | Manche Stellen nehmen gefärbtes/blondiertes Haar, andere nur Naturhaar |
| Graues Haar | ⚠︎ nicht überall | Wird häufig nur versteigert statt zu Perücken verarbeitet |
| Bindung | ✓ fester Zopf, Gummi oben und unten | Sogenannte Remi-Lage: alle Haare in eine Richtung, damit nichts verfilzt |
Faustregel: Je länger, natürlicher und gesünder das Haar, desto besser. Beim Schneiden und Knüpfen gehen rund 8 bis 10 cm Länge verloren, deshalb ergeben zum Beispiel 25 cm Spendenhaar am Ende nur etwa 15 cm Perückenlänge. Gefärbtes Haar lässt sich verwenden, ist aber bereits vorbelastet – und die Perückenherstellung umfasst weitere Schritte, die das Haar zusätzlich beanspruchen. Wer also weiss, dass eine Spende geplant ist, sollte das Färben am besten erst danach machen.
So läuft die Haarspende Schritt für Schritt ab
Gut vorbereitet ist der Aufwand einer Haarspende minimal – im Grunde lässt du dir nur deine alten Zöpfe abschneiden. Wichtig ist allein, dass das Haar sauber gebunden bei der richtigen Stelle ankommt und nicht im Müll landet. So gehst du vor:
- Organisation auswählen und deren Anforderungen (Länge, behandeltes Haar, Versandadresse) auf der Website prüfen.
- Haare am Tag des Termins frisch waschen, vollständig trocknen und gründlich durchkämmen – ohne Conditioner oder Stylingprodukte.
- Das Haar in einen festen Zopf oder mehrere Strähnen binden. Jeweils ein Haargummi oberhalb und eines unterhalb der geplanten Schnittstelle fixieren.
- Den Zopf abschneiden lassen (beim Friseur) oder selbst oberhalb des oberen Gummis schneiden. Erst danach den eigentlichen Haarschnitt stylen.
- Die getrockneten, gebundenen Zöpfe flach in einen Briefumschlag oder eine Schutzhülle legen – nicht knicken, nicht zusammenstauchen.
- An die Adresse der Organisation versenden. Viele bieten danach eine Bestätigung oder Spendenquittung an.
5 Tipps für eine gelungene Haarspende
- Bind den Zopf wirklich straff und sichere ihn oben und unten mit Haargummis – ein loser Zopf verrutscht und verfilzt beim Versand.
- Verschicke ausschliesslich vollständig trockenes Haar. Selbst leichte Restfeuchte kann unterwegs zu Schimmel führen.
- Wenn du färben willst, mach das erst nach der Spende – unbehandeltes Haar ist am wertvollsten.
- Frag im Salon vorab, ob er mit einer Organisation kooperiert oder Erfahrung mit Haarspenden hat – das spart dir das eigene Verpacken und Versenden.
- Prüfe vorher schriftlich, dass die Organisation seriös ist und ihr Haar tatsächlich Betroffenen zugutekommt – nicht jede Sammelstelle ist gemeinnützig.

Wohin du deine Haare spenden kannst
Im deutschsprachigen Raum gibt es mehrere seriöse Anlaufstellen. Sie unterscheiden sich darin, ob sie das Haar direkt zu Perücken verarbeiten oder es versteigern und den Erlös an gemeinnützige Einrichtungen weitergeben. Bevor du dich festlegst, lohnt ein Blick auf die jeweiligen Anforderungen und den Zweck.
| Anlaufstelle | Land | Mindestlänge | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| haare-spenden.de | Deutschland | ab 25 cm | Akzeptiert nahezu jede Haarstruktur, auch gefärbtes und chemisch behandeltes Haar |
| Verein Haarfee | Österreich | ab 40 cm | Fokus auf Langhaarperücken für Kinder, 4–5 Zöpfe pro Perücke |
| Verein Die Haarspender | Österreich / DACH | ab 40 cm | Kostenfreie Kinderperücken; ideal 45 cm und mehr für schöne Stufung |
| Kooperierende Friseursalons | regional | je nach Partner | Nehmen den Zopf direkt an und leiten ihn weiter – frag vor Ort nach |
Manche Friseursalons kooperieren fest mit Organisationen und übernehmen das Einsenden für dich. Aber auch ohne einen solchen Partnersalon ist eine Spende problemlos möglich: Du lässt dir den Zopf abschneiden, packst ihn selbst ein und schickst ihn an die gewünschte Stelle – das funktioniert genauso, wenn du dir die Haare zu Hause abschneidest.
Was beim Friseur passiert
Der Termin im Salon unterscheidet sich kaum von einem normalen Schnitt – nur die Reihenfolge ist anders. Statt direkt loszuschneiden, teilt der Friseur das trockene Haar in einen oder mehrere Zöpfe, sichert jeden mit Gummis und trennt ihn dann oberhalb der Bindung sauber ab. Erst danach wird dein neuer Haarschnitt gestylt. Den abgeschnittenen Zopf bekommst du ausgehändigt, sodass du ihn selbst versenden kannst – oder der Salon übernimmt das, wenn er mit einer Organisation zusammenarbeitet. Lass dich vorher beraten, wenn du dir bei Länge oder Schnitt unsicher bist; gut, wenn der Salon schon Erfahrung mit Haarspenden hat. Wer übrigens ohnehin gerade einen Stilwechsel plant, findet bei unseren Langhaarfrisuren Anregungen, wie das Haar bis zur Spende wachsen kann.
Was aus den gespendeten Haaren wird
Das gespendete Haar geht vor allem an Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen ihr eigenes Haar verloren haben – darunter viele krebskranke Kinder. Bevor daraus eine Perücke entsteht, durchläuft das Haar mehrere Schritte: Zuerst werden die Zöpfe gewaschen und nach Länge, Farbe und Struktur sortiert. Anschliessend werden mehrere Spenden zu Perückensträhnen kombiniert – für eine einzige Echthaarperücke braucht es typischerweise vier bis fünf vollständige Zöpfe.
Perückenmacher greifen dann zur sogenannten Montur, die als künstliche Kopfhaut dient. Auf dieser werden die Haare eingearbeitet, indem jede Strähne von Hand mit der Montur verknotet wird. Dieses Knüpfen ist ein aufwendiger Prozess – genau er macht aber die Qualität einer guten Echthaarperücke aus. Alternativ kann gespendetes Haar maschinell auf Tressen genäht werden. Zum Schluss wird die Perücke nur grob frisiert, damit der spätere Friseur noch genug Spielraum hat, um individuelle Wünsche und den gewünschten Schnitt umzusetzen. Wie viel danach noch geht, zeigt unser Ratgeber zu Perücken. Insgesamt fallen für eine fertige Kinderperücke neben dem Material rund 360 Euro und mehr an Herstellungskosten an, die meist über Geldspenden finanziert werden.
Checkliste vor dem Spendentermin
- Organisation gewählt und deren Mindestlänge sowie Regeln zu gefärbtem Haar geprüft
- Haare frisch gewaschen, vollständig getrocknet und durchgekämmt
- Zopf straff gebunden, Gummi oberhalb und unterhalb der Schnittstelle
- Nur trockenes Haar flach verpackt – nicht knicken, nicht quetschen
- Versandadresse notiert und ggf. Spendenquittung angefragt
Häufige Fragen zu Haare spenden
Wird eine Haarspende vergütet?
Wer Gutes tun und kranken Menschen helfen möchte, sollte nicht mit einem Verdienst rechnen. Gemeinnützige Organisationen vergüten Haarspenden in der Regel nicht. Wer Haar verkaufen statt spenden will, findet zwar kommerzielle Aufkäufer, doch dann fliesst das Haar nicht zwingend in den guten Zweck. Manche Stellen versteigern ungeeignetes oder graues Haar und geben den Erlös an gemeinnützige Einrichtungen weiter.
Kostet das Abschneiden beim Friseur etwas?
Das hängt vom Salon ab. Manche kooperierenden Friseure schneiden den Spendenzopf kostenlos, viele berechnen den normalen Schnitt- und Stylingpreis. Frag am besten vorher nach, ob ein kostenloser Haarschnitt für Spender angeboten wird.
Kann man graues Haar spenden?
Das ist von Organisation zu Organisation verschieden. Manche Stellen nehmen graues Haar nicht zur Perückenherstellung an, versteigern es aber, um damit ihre Arbeit zu finanzieren. Prüfe die Regeln der gewünschten Organisation, bevor du graues Haar einschickst.
Welche Mindestlänge gilt, wenn ich nur kürzer spenden kann?
25 cm ist bei vielen deutschen Anlaufstellen das absolute Minimum. Vereine, die Langhaarperücken für Kinder herstellen, verlangen häufig 40 cm und mehr. Da beim Verarbeiten rund 8 bis 10 cm verloren gehen, gilt: je länger, desto besser nutzbar.
Wie viele Zöpfe braucht eine Perücke?
Für eine einzige Echthaarperücke werden typischerweise vier bis fünf vollständige Zöpfe benötigt, die nach Farbe und Struktur kombiniert werden. Deine Spende ist also ein Baustein – mehrere Menschen ermöglichen gemeinsam eine Perücke.
Muss ich gefärbtes Haar vor der Spende behandeln?
Nein. Wenn du eine Spende planst, solltest du das Färben einfach verschieben, bis der Zopf ab ist. Unbehandeltes, gesundes Haar ist am wertvollsten. Bereits gefärbtes Haar wird von manchen Stellen trotzdem angenommen, ist aber strapazierter.
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