
Friseurmeisterin oder Friseurmeister wird, wer nach der Gesellenprüfung eine Meisterschule mit den vier Teilen Fachpraxis, Fachtheorie, Betriebswirtschaft und Ausbildereignung durchläuft und die Meisterprüfung besteht. Der Meisterbrief ist die Voraussetzung dafür, einen eigenen Friseursalon zu eröffnen und selbst auszubilden, weil das Friseurhandwerk zu den zulassungspflichtigen Handwerken zählt. Viele entscheiden sich aber auch ohne eigene Gründungspläne für die Meisterschule, weil sie damit fachlich und finanziell einen Schritt weiterkommen.
Wer sich für die Meisterschule interessiert, fragt sich meist zuerst, wie lange sie dauert, was sie kostet und ob sich die Kosten fördern lassen. Diese Seite ordnet die vier Prüfungsteile ein, zeigt eine realistische Kostenspanne und erklärt, wie das Aufstiegs-BAföG einen großen Teil davon übernimmt.
So ist die Meisterausbildung aufgebaut
Die Meisterausbildung im Friseurhandwerk besteht aus vier Teilen, die teils gemeinsam, teils einzeln absolviert werden können. Teil I und II sind handwerksspezifisch und behandeln Fachpraxis und Fachtheorie des Friseurhandwerks, Teil III und IV sind gewerksübergreifend und vermitteln betriebswirtschaftliche, rechtliche und pädagogische Grundlagen, die für jedes Handwerk gleich sind.
- 1Teil I: Fachpraxis
- 2Teil II: Fachtheorie
- 3Teil III: Betriebswirtschaft und Recht
- 4Teil IV: Ausbildereignung
- 5Meisterprüfung
Viele Handwerkskammern und private Bildungsträger bieten die Meisterschule sowohl in Vollzeit als auch berufsbegleitend in Teilzeit an. In Vollzeit lässt sich die gesamte Vorbereitung oft innerhalb einiger Monate abschließen, in Teilzeit neben dem Beruf zieht sich der Weg je nach Stundenumfang auf bis zu zwei Jahre.
Was die Friseurmeisterschule kostet
Die Kosten für Teil I und II schwanken zwischen den Anbietern deutlich, je nach Handwerkskammer oder privater Fachschule bewegen sie sich meist zwischen 3.600 und 6.500 Euro zuzüglich Prüfungsgebühren, Stand Oktober 2026. Für die gewerksübergreifenden Teile III und IV kommen üblicherweise weitere 2.000 bis 3.000 Euro hinzu, sodass insgesamt mit einer Spanne von grob 6.000 bis 9.000 Euro vor Förderung zu rechnen ist.
Kosten variieren je Handwerkskammer und Bildungsträger, zzgl. Prüfungsgebühren, vor Förderung durch Aufstiegs-BAföG, Stand Oktober 2026
Diese Zahlen sind Richtwerte, die konkrete Summe hängt vom gewählten Bildungsträger, der Region und davon ab, ob Unterkunft oder Fahrtkosten bei einer Vollzeitschule außerhalb des eigenen Wohnorts dazukommen. Ein Vergleich mehrerer Anbieter in der eigenen Region lohnt sich deshalb vor der Anmeldung.
Förderung über das Aufstiegs-BAföG
Die gute Nachricht für angehende Meisterinnen und Meister: Lehrgangs- und Prüfungskosten lassen sich über das Aufstiegs-BAföG fördern, unabhängig vom eigenen Einkommen oder Vermögen. Für Kosten bis maximal 15.000 Euro gibt es 50 Prozent als Zuschuss, den du nicht zurückzahlen musst, die restlichen 50 Prozent werden über ein zinsgünstiges Darlehen der KfW finanziert.
Bestehst du die Meisterprüfung, wird dir auf Antrag zusätzlich die Hälfte des zu diesem Zeitpunkt noch nicht fälligen Restdarlehens erlassen. In Summe bleibt dadurch effektiv nur ein kleinerer Teil der ursprünglichen Kosten als tatsächlich zurückzuzahlendes Darlehen übrig. Für Materialkosten rund um das Meisterprojekt, etwa für Übungsmodelle oder Material bei der praktischen Prüfung, gibt es außerdem eine gesonderte Förderung bis 2.000 Euro, auch hier mit 50 Prozent Zuschuss.
Meisterbrief oder Alternative: Die Altgesellenregelung
Weil das Friseurhandwerk zu den zulassungspflichtigen Handwerken gehört, braucht es für die eigenständige Führung eines Salons grundsätzlich einen Meisterbrief. Eine Alternative ist die sogenannte Altgesellenregelung: Wer die Gesellenprüfung bestanden hat und danach sechs Jahre praktisch im Beruf tätig war, davon vier Jahre in leitender Position, kann bei der Handwerkskammer eine Ausübungsberechtigung beantragen und sich ohne Meisterbrief selbstständig machen.
Diese Ausübungsberechtigung ist allerdings nicht in jedem Fall gleichwertig mit dem Meisterbrief: Ohne zusätzliche Ausbildereignungsprüfung darfst du damit zwar selbstständig arbeiten, aber keine Auszubildenden einstellen. Mehr zu den Voraussetzungen für die eigene Gründung findest du auf der Seite zum Friseursalon eröffnen.
Warum sich der Meisterbrief auch angestellt lohnt
Nicht jede Friseurmeisterin und nicht jeder Friseurmeister gründet anschließend einen eigenen Salon. Viele bleiben angestellt und übernehmen stattdessen die Leitung eines bestehenden Salons, eine Filiale innerhalb einer Kette oder die Verantwortung für die Ausbildung des Nachwuchses. Der Meisterbrief ist dafür in vielen Betrieben die Voraussetzung, weil nur mit bestandener Ausbildereignungsprüfung aus Teil IV überhaupt Auszubildende betreut werden dürfen.
Auch fachlich bringt die Meisterschule einen klaren Mehrwert: Teil I und II vertiefen Techniken, die im normalen Salonalltag oft zu kurz kommen, etwa anspruchsvolle Colorationskonzepte oder komplexe Schnittführungen, während Teil III betriebswirtschaftliches Wissen vermittelt, das auch in einer angestellten Leitungsposition hilft, etwa bei der Personalplanung oder der Kalkulation von Preisen. Wer sich noch unsicher ist, ob sich der Aufwand lohnt, kann diesen fachlichen Zugewinn als eigenständigen Grund sehen, unabhängig von einer späteren Gründung.
Meisterschule in der Nähe finden
Nicht jede Handwerkskammer bietet die Meisterschule für Friseure direkt vor Ort an, teils musst du für Teil I und II in eine größere Stadt oder zu einem spezialisierten Bildungsträger pendeln oder umziehen. Vor der Anmeldung lohnt sich deshalb ein Blick auf die Entfernung zum Kursort, die Unterrichtszeiten und darauf, ob der Anbieter Erfahrung speziell mit dem Friseurhandwerk hat, nicht nur mit gewerksübergreifenden Kursen.
Manche Handwerkskammern bieten zusätzlich Beratungstermine an, bei denen du dich vorab über Inhalte, Termine und Fördermöglichkeiten informieren kannst, bevor du dich für einen bestimmten Kurs entscheidest. Diese Beratung ist in der Regel kostenlos und hilft, Enttäuschungen zu vermeiden, falls ein Kurs inhaltlich doch nicht zu deinen Erwartungen passt.
Wer sich zwischen Vollzeit und Teilzeit nicht entscheiden kann, sollte zusätzlich bedenken, dass ein Vollzeitkurs zwar schneller zum Abschluss führt, dafür aber meist eine längere Pause vom regulären Gehalt bedeutet, während eine Teilzeitvariante neben dem Job finanziell planbarer bleibt, dafür aber mehr Durchhaltevermögen über einen längeren Zeitraum verlangt. Welche Variante besser passt, hängt stark von der eigenen Lebenssituation und den finanziellen Rücklagen vor Beginn der Meisterschule ab.

5 Tipps für den Weg zum Friseurmeister
- Vergleiche mehrere Handwerkskammern und private Fachschulen, die Preisunterschiede für Teil I und II sind erheblich.
- Stelle den Aufstiegs-BAföG-Antrag möglichst vor Beginn der Maßnahme, nicht erst währenddessen.
- Kläre mit dem Arbeitgeber frühzeitig, ob eine Teilzeit-Meisterschule neben dem Job zeitlich machbar ist.
- Sammle vor der Meisterschule gezielt Erfahrung in den Bereichen, die dir noch unsicher sind, etwa Farbtechniken oder Betriebsführung.
- Informiere dich parallel über die Altgesellenregelung, falls ein Meisterbrief für deine Pläne nicht zwingend nötig ist.
Häufige Fragen zum Friseurmeister
Wie wird man Friseurmeister?
Nach der Gesellenprüfung und üblicherweise etwas Berufserfahrung durchläufst du die Meisterschule mit den Teilen I bis IV und schließt mit der Meisterprüfung ab. Angeboten wird sie in Vollzeit oder berufsbegleitend in Teilzeit.
Was kostet eine Friseurmeisterschule?
Grob ist mit 6.000 bis 9.000 Euro vor Förderung zu rechnen, je nach Anbieter und Region, zuzüglich Prüfungsgebühren, Stand Oktober 2026. Über das Aufstiegs-BAföG lässt sich ein großer Teil davon fördern.
Muss man Friseurmeister sein, um sich selbstständig zu machen?
Grundsätzlich ja, weil das Friseurhandwerk zulassungspflichtig ist. Mit der Altgesellenregelung nach sechs Jahren Berufserfahrung, davon vier Jahre in leitender Position, ist eine Selbstständigkeit aber auch ohne Meisterbrief möglich.
Wie lange dauert die Friseurmeisterschule?
In Vollzeit lässt sich die Vorbereitung oft innerhalb einiger Monate abschließen, in Teilzeit neben dem Beruf dauert es je nach Stundenumfang bis zu rund zwei Jahre.
Was verdient ein Friseurmeister?
Mit Meisterbrief liegt das Gehalt meist über dem von Gesellinnen und Gesellen, grob orientiert zwischen 2.400 und 4.000 Euro brutto im Monat. Details dazu stehen auf der Seite zum Friseur-Gehalt.
Einen Überblick über alle Stationen im Friseurhandwerk gibt die Seite Friseur als Beruf, zum Verdienst mit und ohne Meisterbrief informiert die Seite zum Friseur-Gehalt. Wer anschließend gründen will, findet den nächsten Schritt beim Friseursalon eröffnen.