
Was Friseurinnen und Friseure verdienen, hängt stark davon ab, ob ein Tarifvertrag gilt, in welchem Bundesland der Salon liegt und wie viel Berufserfahrung du mitbringst. Als Untergrenze gilt seit dem 1. Januar 2026 der gesetzliche Mindestlohn von 13,90 Euro brutto pro Stunde, Stand Oktober 2026. Darüber hinaus zahlen viele Betriebe nach regionalem Tarifvertrag, der je Bundesland unterschiedlich hoch ausfällt und in manchen Ländern sogar allgemeinverbindlich für alle Betriebe gilt, unabhängig von einer Gewerkschafts- oder Verbandsmitgliedschaft.
Eine einzige bundesweite Zahl für das Friseurgehalt gibt es deshalb nicht, auch wenn Gehaltsportale häufig einen einzelnen Durchschnittswert nennen. Diese Seite ordnet ein, wie der Mindestlohn als Untergrenze wirkt, zeigt am Beispiel eines Bundeslands, wie ein Tarifvertrag aussehen kann, und erklärt, wie sich das Gehalt mit Berufserfahrung und einem Meisterbrief verändert.
Gesetzlicher Mindestlohn als Untergrenze
Seit dem 1. Januar 2026 gilt in Deutschland ein gesetzlicher Mindestlohn von 13,90 Euro brutto pro Stunde, der auch für das Friseurhandwerk die absolute Untergrenze bildet. Zuvor lag der Mindestlohn bei 12,82 Euro, für 2027 ist eine weitere Erhöhung auf 14,60 Euro angekündigt. Eine eigene, branchenspezifische Mindestlohnregelung für das Friseurhandwerk auf Bundesebene gibt es aktuell nicht mehr, maßgeblich sind der allgemeine gesetzliche Mindestlohn und, wo vorhanden, der regionale Tarifvertrag.
Wichtig zu wissen: Der Mindestlohn gilt pro geleisteter Arbeitsstunde, unabhängig davon, ob du in Vollzeit, Teilzeit oder auf Minijob-Basis arbeitest. Wer weniger als den Mindestlohn ausgezahlt bekommt, kann sich an die zuständige Handwerkskammer oder den Zoll als Kontrollbehörde wenden.
Tarifverträge: Je Bundesland unterschiedlich
Im Friseurhandwerk gibt es keinen bundesweit einheitlichen Tarifvertrag, sondern einzelne Tarifverträge je Bundesland, die von den jeweiligen Landesverbänden und Gewerkschaften verhandelt werden. In mehreren Ländern, darunter Nordrhein-Westfalen, ist der Tarifvertrag für allgemeinverbindlich erklärt worden, das heißt, er gilt für alle Betriebe im Land, nicht nur für Mitgliedsbetriebe des Verbands.
Als Beispiel zeigt der Tarifvertrag für Nordrhein-Westfalen, wie unterschiedlich die Gehaltsgruppen gestaffelt sein können: Zum 1. Januar 2026 reichen die Stundenlöhne dort von 14,60 Euro in der untersten bis 17,54 Euro in der obersten Gehaltsgruppe. Andere Bundesländer verhandeln eigene Sätze, die davon abweichen können, deshalb lässt sich dieser Wert nicht einfach auf das gesamte Bundesgebiet übertragen.
| Gehaltsgruppe (Beispiel Nordrhein-Westfalen, 2026) | Stundenlohn |
|---|---|
| Gruppe 1 | 14,60 € |
| Gruppe 2 | 15,23 € |
| Gruppe 3 | 16,17 € |
| Gruppe 4 | 17,54 € |
Ob in deinem Bundesland ein Tarifvertrag gilt und wie hoch die jeweiligen Gehaltsgruppen sind, erfährst du am zuverlässigsten bei der zuständigen Handwerkskammer oder direkt im Betrieb. Wer sich auf einen neuen Job bewirbt, darf diese Frage im Vorstellungsgespräch ganz offen stellen.
Was Gesellinnen und Gesellen grob verdienen
Neben Tarifdaten geben auch Gehaltsportale eine grobe Orientierung, auch wenn sie keine amtliche Statistik ersetzen und die Werte je Quelle deutlich schwanken. Im Berufseinstieg bewegt sich das Bruttogehalt häufig zwischen 1.900 und 2.200 Euro im Monat, mit mehrjähriger Berufserfahrung häufiger zwischen 2.200 und 2.900 Euro, Stand Oktober 2026. Entscheidend sind dabei nicht nur Tarif und Bundesland, sondern auch Betriebsgröße, Lage und die übernommenen Aufgaben, etwa ob zusätzlich Azubis angeleitet werden.
Markt-Orientierung aus Gehaltsportalen, keine amtliche Statistik, Werte schwanken je Quelle, Region, Betrieb und Tarifbindung deutlich, Stand Oktober 2026
Mit Meisterbrief verdient es sich meist besser
Ein Friseurmeisterbrief öffnet in der Regel nicht nur den Weg zur Selbstständigkeit, sondern wirkt sich auch im Angestelltenverhältnis positiv auf das Gehalt aus, weil damit Führungsverantwortung, Ausbildungsbefähigung und ein höherer fachlicher Status verbunden sind. Viele Salons zahlen Meisterinnen und Meistern deshalb ein deutliches Plus gegenüber dem Gesellengehalt, besonders wenn zusätzlich die Salonleitung übernommen wird. Mehr dazu, was die Meisterschule kostet und wie sie sich fördern lässt, steht auf der Seite zur Friseurmeisterschule.
Zum Gehalt zählt im Friseurhandwerk außerdem häufig das Trinkgeld der Kundschaft, das als freiwillige Ergänzung zum vereinbarten Lohn dazukommt und je nach Salon und Kundenstamm unterschiedlich stark ausfällt. Wie viel Trinkgeld üblich ist, erklärt die Seite zum Trinkgeld beim Friseur im Detail.
Stadt und Land, Angestellt oder selbstständig
Neben Tarif und Erfahrung spielt auch die Region eine Rolle, in der ein Salon liegt. In Großstädten mit hohem Mietniveau sind die Preise für Kundinnen und Kunden meist höher, das kann sich auch auf das Gehalt auswirken, muss es aber nicht automatisch, weil zugleich die Lebenshaltungskosten am Ort steigen. Auf dem Land sind die Preise oft niedriger, dafür fallen auch Fahrtweg und Mietbelastung meist geringer aus, sodass sich ein direkter Vergleich allein über das Bruttogehalt kaum lohnt.
Wer sich später selbstständig macht, verdient nicht mehr nach Stundenlohn, sondern trägt unternehmerisches Risiko und Chancen gleichermaßen: Der Gewinn hängt dann von Auslastung, Preisgestaltung und Kostenstruktur des eigenen Salons ab, nicht mehr von einer festen Gehaltsgruppe. Wie sich dieser Schritt plant, erklärt die Seite zum Friseursalon eröffnen.
Fortbildungen als Hebel für mehr Gehalt
Neben dem Meisterbrief gibt es im Friseurhandwerk weitere Wege, das eigene Gehalt zu verbessern, ohne direkt den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen. Eine Spezialisierung auf gefragte Techniken wie Balayage, Glossing oder aufwendige Hochsteckfrisuren macht dich für Salons interessanter, die sich über genau dieses Angebot von der Konkurrenz abheben wollen. Auch Zusatzqualifikationen im Bereich Kosmetik oder im Verkauf von Pflegeprodukten werden in manchen Salons zusätzlich vergütet, weil sie den Umsatz pro Kundentermin erhöhen.
Wer regelmäßig an Fortbildungen teilnimmt und das im Gespräch mit der Salonleitung offen ansprichst, hat erfahrungsgemäß bessere Karten bei der nächsten Gehaltsrunde als jemand, der seine Entwicklung nicht sichtbar macht. Ein klarer, sachlicher Hinweis auf neue Fähigkeiten oder zusätzliche Verantwortung wirkt dabei meist überzeugender als ein allgemeiner Verweis auf gestiegene Lebenshaltungskosten.

5 Tipps, um das eigene Gehalt realistisch einzuschätzen
- Frage im Vorstellungsgespräch konkret nach Tarifbindung und Gehaltsgruppe, nicht nur nach einem pauschalen Monatsgehalt.
- Vergleiche Angebote innerhalb desselben Bundeslands, weil Tarife von Land zu Land stark variieren.
- Berücksichtige bei einem Jobwechsel auch Zusatzleistungen wie Fortbildungen, Fahrtkostenzuschuss oder Trinkgeldregelung.
- Rechne bei Teilzeit den Stundenlohn hoch, statt nur das Monatsgehalt zu vergleichen.
- Informiere dich frühzeitig über die Meisterschule, wenn du langfristig mehr verdienen oder dich selbstständig machen willst.
Häufige Fragen zum Friseur-Gehalt
Wie viel verdient ein Friseur oder eine Friseurin?
Als Untergrenze gilt der gesetzliche Mindestlohn von 13,90 Euro pro Stunde ab 2026. Je nach Tarifbindung, Bundesland und Berufserfahrung liegt das tatsächliche Bruttogehalt häufig zwischen 1.900 und 2.900 Euro im Monat.
Gibt es einen eigenen Mindestlohn für Friseure?
Eine bundesweite, branchenspezifische Mindestlohnregelung für das Friseurhandwerk gibt es aktuell nicht mehr. Maßgeblich sind der allgemeine gesetzliche Mindestlohn und, wo vorhanden, der jeweilige Landestarifvertrag.
Warum verdienen Friseure in verschiedenen Bundesländern unterschiedlich viel?
Tarifverträge im Friseurhandwerk werden je Bundesland einzeln zwischen Landesverbänden und Gewerkschaften verhandelt. Dadurch unterscheiden sich sowohl die Gehaltsgruppen als auch die konkreten Stundenlöhne von Land zu Land.
Was verdient ein Friseurmeister?
Mit Meisterbrief liegt das Gehalt meist über dem von Gesellinnen und Gesellen, grob orientiert zwischen 2.400 und 4.000 Euro brutto im Monat je nach Position und Betrieb. Wer zusätzlich die Salonleitung übernimmt, verdient oft am oberen Ende dieser Spanne.
Zählt Trinkgeld zum Friseur-Gehalt?
Trinkgeld ist eine freiwillige Zusatzleistung der Kundschaft und kommt zum vereinbarten Lohn dazu, ersetzt ihn aber nicht. Wie viel Trinkgeld üblich ist, erklärt die eigene Seite zum Thema.
Einen Überblick über alle Stationen im Friseurhandwerk gibt die Seite Friseur als Beruf, Details zur Ausbildungsvergütung stehen bei der Friseur-Ausbildung. Wer den nächsten Schritt plant, informiert sich bei der Friseurmeisterschule oder beim eigenen Salon eröffnen.